Geschäftsniederlassung in Warschau

Polen ist für deutsche Geschäftsleute nicht erst seit dem EU-Beitritt attraktiv geworden. 2008/09 waren in Polen über 5800 Unternehmen mit deutscher Beteiligung tätig. Günstige Lohn- und Betriebskosten und zahlreiche Förderungsmittel machen den östlichen Nachbarn zu einem attraktiven Ort für Geschäftsniederlassungen und -gründungen. Das polnische Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung informiert über die umfangreichen Förderungsmöglichkeiten, die auf EU-Bürger bei Geschäftsgründungen warten und sollte in jedem Fall kontaktiert werden. Einen gute Anlaufstelle für Informationen zur Einrichtung von Niederlassungen oder Zweigstellen in Polen bietet die deutsch polnische Industrie- und Handelskammer.

Bei Geschäftsgründungen sollte der bürokratische Aufwand nicht unterschätzt werden. Interessenten sollten daher sich im Vorfeld umfassend informieren. So weichen die möglichen Unternehmensformen teils erheblich von denen in Deutschland ab. Auch die Firmenregistrierung erfordert einigen Aufwand. Nachdem das Unternehmen im Handelsregister registriert wurde, muss eine sog. REGON-Nummer beim polnischen Statistikamt beantragt werden. Auch eine Sozialversicherung und eine Steuernummer sind unabdingbar. Werden Dokumente im Auftrag der Firma unterschrieben, müssen diese immer mit einem Firmenstempel verifiziert werden.

Liegt der jährliche Umsatz des Unternehmens unter 10.000 €, fallen keine Steuern an. Ab diesem Betrag wird eine Umsatzsteuer von 22% fällig, Einkommens- und Körperschaftssteuer belaufen sich jeweils auf 19%. Für EU-Bürger werden teils bedeutende Steuervergünstigungen angeboten. Um diese zu nutzen, sollte unbedingt professionelle inländische Hilfe in Anspruch genommen werden. Da sich viele Bestimmungen vom deutschen Steuerrecht unterscheiden und es zahlreiche Ausnahmeregelungen gibt, ist eine sinnvolle Steuererklärung sonst kaum ausführbar.

Im Falle von der Entsendungen von Angestellten oder Führungskräften zum polnischen Tochterunternhem gelten bei Einsätzen bis zu 12 Monaten das Rechtsvorschriften des Landes des Mutterunternehmens, bei längeren Einsätzen gilt die polnische Sozialgesetzgebung. Ausländer, die bis zu einem Zeitraum von 6 Monaten in Polen leben und arbeiten, sind in Polen begrenzt steuerpflichting und müssen das in Polen verdiente Einkommen auch dort versteuern. Bei Arbeitseinsätzen von über 183 Tagen werden Ausländer mit ihrem gesamten Einkommen steuerpflichtig, also ungeachtet von Standort und Einkommensquellen. Im Rahmen des deutsch-polnischen Doppelbesteuerungsabkommens werden in Polen gezahlten Steuern und Versicherungsbritäge in Deutschland entsprechend erlassen. Mit der Schweiz unterhält Polen ebenfalls Doppelbesteuerungs- und Sozialversicherungsabkommen, so dass auch bei einer Entsendung durch Mutterunternehmen aus der Schweiz im Prinzip die gleiche Regelung gilt.

Um in Polen geschäftlich erfolgreich zu sein, sind gut durchdachte Strategien erforderlich, die sprachliche und kulturelle Besonderheiten berücksichtigen. Im Idealfall sollten bei Werbung und Marketing Muttersprachler bzw. einheimische Agenturen eingebunden werden. Zu den wichtigen aktuellen Themen zählt neben der wachsenden Bedeutung thematischer TV Kanäle und eine stark zunehmende Differenzierung im Direktmarketing - hochwertiger Mailing Druck etwa ist heute in Polen und vor allem in Warschau keine Seltenheit und sollte daher bei der Budgetplanung berücksichtigt werden. Geschäftliche Kontakte lassen sich zumeist besser aufbauen, wenn genügend Zeit in die Pflege der zwischenmenschlichen Beziehungen investiert wird, häufig spielen in Polen Sympathie und Freundschaft eine wichtige Rolle bei über Geschäftsabschlüssen.